Pastorin Silke Stürmer aus Welzheim, Deutschland, wird vom 27. Januar bis zum 24. Februar Südafrika und insbesondere unsere Gemeinde besuchen. Nachstehend finden Sie ihr Anschreiben und einige Hintergrundinformationen:
WÜNSCHE UND VORSTELLUNGEN FÜR EINEN AUFENTHALT IN DER EV. LUTH. KG STELLENBOSCH UND DER CAPE LUTHERAN CHURCH
Wenn ich im Folgenden meine Vorstellungen darüber äußere, wie ich mich in eurer Kirche einbringen könnte, geschieht das unter dem Vorbehalt, dass ich eure Situation nicht kenne. Ich weiß nicht, was euch interessiert, wo ihr helfende Hände braucht oder ein zuhörendes Ohr. Ich kann nur mitteilen, was ich mir gut vorstellen kann – sollte das für eure Kirche ganz unpassend sein, bitte ich euch, mir das zu sagen.
GOTTESDIENST UND GEMEINDEVERANSTALTUNGEN
Eine Kirchengemeinde hat ja viele Arbeitsfelder, ein zentrales Feld ist der Gottesdienst. Hier bringe ich mich gerne ein: Als Pfarrerin kann ich natürlich predigen, eigenverantwortlich einen Gottesdienst gestalten, bzw. dies mit einem Team zusammen vorbereiten, wenn es ein Team gibt. Oder ich beteilige mich nur am Gottesdienst durch Lesungen, Blumenschmuck, o. a. Beim Gottesdienst dabei zu sein, ist mir auf jeden Fall wichtig, denn er ist doch meist ein „Zentrum“ der Gemeinde, bei dem sich viele Menschen treffen und austauschen. Gibt es bei euch ein Kirchencafé im Anschluss? Auch hier bin ich natürlich gerne bereit mitzuhelfen. Überhaupt kann ich mir gut vorstellen, bei Gemeindefesten zu kochen und zu backen – beides mache ich gerne und gut (vorausgesetzt, man mag die deutsche/ schwäbische Küche ) Wenn es Frauenkreise oder andere Gemeindeveranstaltungen mit inhaltlichen Impulsen gibt, übernehme ich gerne die Gestaltung für einen Abend. Ich könnte z. B. gut über die Minderheit der Sinti und Roma bei uns berichten (mit Film) – oder über unsere Landeskirche (mit Film) – oder einen Abend zum Thema Klischees & Vorurteile machen… Es gibt viele Themen und da ich auch Filmemacherin bin, habe ich auch einige Dokumentarfilme, die ich bei hier zeigen kann. Natürlich kann ich auch Bibelabende anbieten.
ÖFFENTLICHKEITESARBEIT UND TEXTE
Da ich auch mehrere Jahre als Journalistin für Zeitungen Texte geschrieben habe, kann ich auch hier mithelfen: Texte für die Homepage, den Gemeindebrief, die Zeitung… ich weiß nicht, was es bei euch gibt, und ob das gebraucht wird. Auch wenn man Plakate oder Programme machen muss, kann ich mich einbringen – wo ich leider keine Hilfe bin, ist bei Insta oder anderen sozialen Medien. Ich bin in dieser Hinsicht ein Dinosaurier!
SEELSORGE & SOZIALES
Bei Gottesdiensten, den Gemeindeveranstaltungen oder der Öffentlichkeitsarbeit ist natürlich die Frage, in welcher Sprache das alles stattfindet. Doch in der Seelsorge spielt das eine noch größere Rolle, weil man seinen Text nicht vorbereiten kann wie in einer Predigt. Wenn meine Englischkenntnisse ausreichen, mache ich auch gerne Besuche bei Menschen – normale Unterhaltungen dürften gar kein Problem sein. Auch iThemba Labantu würde ich gerne kennenlernen, ich gebe aber zu, dass mich die Worte auf der Homepage etwas eingeschüchtert haben („In a dangerous country, Philippi has one of the highest murder rates, with residents exposed to daily extremes of violence“). Würde ich mich da zurechtfinden? Ich habe schon in einem Kriegsgebiet gelebt (auf der Westbank in Palästina/Israel) und ich weiß, dass es wichtig ist, sich in Gebieten mit viel Gewalt einfach gut auszukennen, die Regeln zu kennen – ist das in einer so kurzen Zeit möglich? Hier bin ich vermutlich auf eure Unterstützung angewiesen.
FAZIT
In diesen vier Wochen möchte ich vor allem Menschen kennenlernen und ein ganz kleines Stück ihres Lebens begleiten – so gut das eben in dieser kurzen Zeit möglich ist. Ich möchte mitbekommen, wie Christen weit entfernt von meiner Kirche leben und feiern, ich möchte erfahren, was den Menschen dort Sorgen macht und sie freut. Ich bringe eine große Offenheit für Menschen mit und Engagement – aber auch eine Geschichte und Einschränkungen: ich hatte einen Gehirntumor und kenne mich leider mit Krankheiten sehr gut aus. Aufgrund von Chemotherapie und Bestrahlung wurden meine Knochen so geschädigt, dass ich z. B. eine Knieprothese habe. Ich kann nicht unbegrenzt stehen und gehen. Das ist auch der Grund, warum ich Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht erwähnt habe, hier braucht es doch meist ziemlich viel Fitness, sie wollen kein altes Wrack. Daneben habe ich natürlich auch „private“ Hoffnungen und Erwartungen. Ich möchte sehr gerne etwas von diesem großartigen Land sehen und an meinen freien Tagen etwas reisen, soweit das möglich ist. Ggf. würde ich an die vier Wochen auch noch eins oder zwei Wochen Urlaub anhängen – wenn meine Kirche und meine Familie dies „erlauben“. Das sind nun meine Vorstellungen. Wenn ihr ganz andere haben solltet, dann bin ich gespannt davon zu hören und hoffe, auch euren Erwartungen gerecht zu werden.
Mit herzlichem Gruß Silke Stürmer