MONATSSPRUCH JULI 2026
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“
Amos 5:24

Die Zeit, in der Amos diese Worte sprach, war geprägt von einer immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich. Korruption hielt Einzug in die Gerichte, und die Ausbeutung der Schwachen wurde zur Normalität. Kommt uns das nicht bekannt vor?

Wenn Amos also prophezeit: „Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach!“, dann macht er deutlich, dass Gott eine Gesellschaft verurteilt, in der äußerliche Frömmigkeit und systematische Ungerechtigkeit nebeneinander bestehen. Die Gläubigen tun scheinbar alles richtig. Ihnen wird weder falsche Lehre noch mangelnder Gottesdienst vorgeworfen.

Vielmehr spricht Gott das Problem an, dass religiöse Rituale die Ungerechtigkeit, die sich vor aller Augen abspielt, nicht ausgleichen können.

Gott verwirft einen Gottesdienst, der von Recht und Gerechtigkeit getrennt ist. Als Gläubige können wir nicht behaupten, zu Gott zu gehören, wenn wir zugleich auf eine Weise leben, die unseren Mitmenschen schadet. Martin Luther brachte es später mit den Worten auf den Punkt: „Gott braucht deine guten Werke nicht, aber dein Nächster braucht sie.“

Diese Verantwortung soll uns jedoch nicht belasten, als würde Gott uns eine weitere Forderung auferlegen. Vielmehr gehört die Fürsorge für unsere Mitmenschen von Anfang an zum Leben des Glaubens. Christus ist seit jeher dabei, sein Volk immer mehr nach seinem Bild zu formen. Während seines ganzen Wirkens hat Jesus die Nöte der Menschen um sich herum nicht übersehen.

Als Menschen, die seinen Namen tragen, sind auch wir dazu berufen, dieselbe Liebe und Fürsorge für unseren Nächsten sichtbar werden zu lassen – nicht, um uns Gottes Gunst zu verdienen, sondern weil wir sie bereits empfangen haben. Möge Gott uns weiter zu „kleinen Christussen“ formen, damit seine Liebe nicht nur in unserem Gottesdienst, sondern auch in unserem Umgang mit den Menschen um uns herum sichtbar wird.

Pastorin Ingrid van Sittert