In der Passionszeit sprechen diese zwei Worte mit besonderem Gewicht. Die Passionszeit ist eine Zeit, in der wir als Kirche langsamer werden und uns dem stellen, was wir oft lieber vermeiden würden: Leid, Sünde, Trauer und Tod. Und hier, im kürzesten Vers der Heiligen Schrift, sehen wir, wie tief unser Herr in all das hineingeht. Jesus steht am Grab des Lazarus. Er hat sein Kommen hinausgezögert, und Lazarus ist gestorben. Martha hat ihren Glauben bekannt, und Maria fällt ihm in ihrer Trauer zu Füßen. Gemeinsam weinen sie. Das ist keine Schwäche. Jesus weiß, dass er in wenigen Augenblicken Lazarus aus dem Grab rufen wird. Und doch bleibt er dem Schmerz nicht fern. Er eilt nicht am Leid vorbei, nur um schneller zum Wunder zu gelangen. Er weint. Das Evangelium sagt uns, dass er „tief bewegt“ und „erschüttert“ war. Hier ist Trauer – aber auch mehr. Hier ist heiliger Zorn über den Tod selbst. Der Tod ist ein Feind. Er zerreißt, was Gott zum Leben geschaffen hat. Der Tod verwundet Familien, er lässt Stimmen verstummen und bricht Herzen. „Jesus weinte“ zeigt uns, dass Gott unserem Leid nicht fernsteht. Er ist nicht kalt oder ungerührt. Der, der bald nach Jerusalem gehen wird – dem Verrat und dem Kreuz entgegen – tritt schon hier ganz in die menschliche Trauer ein. Für uns ist das ein tiefer Trost. Unsere Tränen sind Gott selbst nicht fremd. Wenn wir in Krankenzimmern sitzen, wenn Erinnerungen uns unerwartet einholen oder wenn die Einsamkeit uns bedrängt, dann versteht Gott. Und doch endet die Passionszeit nicht in Tränen. Am Grab des Lazarus ist das Weinen nicht das letzte Wort. Jesus ruft: „Lazarus, komm heraus!“ Und der Tote tritt aus dem Grab. Wenn wir unseren Weg durch die Passionszeit fortsetzen, folgen wir unserem Herrn. Wir gehen mit ihm dem Kreuz entgegen. Wir verleugnen das Leid nicht. Aber wir tun es im Vertrauen auf Gott. Durch Jesus ist unsere Trauer nicht ohne Hoffnung. Unsere Tränen werden gesehen, und unser Schmerz wird geteilt. Pastorin Ingrid van Sittert