Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.
Jeremia 31,9

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
ein Jahr kommt nun bald an sein Ende, wie wir es wohl kaum schon erlebt haben. Wer hätte sich das vorstellen können, dass wir fast 6 Monate lang keine Gottesdienste in unserer Kirche feiern würden, dass wir uns über lange Zeit nur „online“ sehen würden, oder per Telefon hören, dass wir auch die engsten Familienmitglieder nicht mehr in den Arm nehmen würden, weil wir sie schützen wollen vor dem Virus, das die ganze Welt in eine große Krise gebracht hat? Und dabei habe ich noch gar nicht die schwereren Dinge genannt, mit denen viele Menschen in diesem Jahr konfrontiert worden sind – die Erkrankung geliebter Menschen, ihr einsames Sterben, der Verlust der Arbeit, des Einkommens, der Firma – die Liste ist lang und das Leid ist unvorstellbar groß.

Der Monatsspruch für November ist ein Wort, das auch in einer tiefen Krise gesproch- en wurde – Jeremia hat dem Volk Gottes das Gericht angekündigt, die Zerstörung Jeru- salems, die Deportation in das Exil und den Zusammenbruch ihrer Lebensgrundlage in ihrem Land, Israel. Nur ein kleiner Rest von ihnen würde übrigbleiben. So kam es dann auch – und dann sagt der Prophet ihnen dieses Wort im Namen Gottes: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“

Es wird nichts beschönigt oder zurückgenommen von dem Urteil, das über sie er- gangen ist – es wird anerkannt – sie werden weinen! Aber genau da ist die Hilfe dieses Wortes auch schon drin – denn es heißt, „sie werden weinend kommen“. Zu wem? Zu Gott! Und das verändert die ganze Situation: Weinend zu Gott kommen – ach, würden wir das doch auch heute tun! Am Ende dieses schrecklichen Jahres wird uns das als Trost und Weisung gesagt: Kommt mit euren Tränen, kommt weinend zu Gott! Und Gott wird Wort halten – uns trösten und leiten. Gerade die Sonntage gegen Ende des Kirchenjahres sind von ihren Themen her dafür auch gut geeignet – dass wir klagend, weinend über Leid und Tod, zu Gott kommen und bei Gott Trost und Leitung finden für den Weg in das nächste Kirchenjahr, das am 1. Advent, also schon am 29. November 2020 anfängt. Und da hören wir auch die Ankündigung, dass Gott uns nicht im Stich ge- lassen hat, sondern seinen Sohn, den Retter in die Welt geschickt hat – damit wir den Trost und die Leitung Gottes in ganz menschlicher, leiblicher Gestalt bei uns haben kön- nen. Dazu lade ich Sie und Euch also herzlich ein – kommen Sie zu den Gottesdiensten und erleben Sie, wie Gott uns tröstet und leitet.

Mit herzlichen Grüßen, Ihr/Euer Pastor Felix Meylahn